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Orgel der Stadtpfarrkirche zum
Hl. Stephan in Eggenburg

Im Zuge der Renovierungsarbeiten der Eggenburger Stadtpfarrkirche sollte auch eine Orgel als krönender Abschluss gebaut werden. Da von der alten Orgel nichts mehr vorhanden war außer dem schönen Barockgehäuse war die Bedingung, dass die neue Orgel in dem Barockgehäuse Platz finden sollte. Es gab daher eine eindeutige Platzvorgabe, nach der sich die Planung zu richten hatte. Für das geplante Pedal wurde das Gehäuse nach hinten verlängert. Außerdem sollte für die Stadtpfarrkirche Eggenburg eine mechanische Orgel entstehen.

Ende des 19. Jhdt. galten mechanische Orgeln durch die neuen technischen Entwicklungen von Pneumatik und Elektrik als veraltet. Besonders große Orgeln wurden in dieser Zeit teilweise umgebaut, teilweise durch neue ersetzt. Eine Orgelbewegung entstand rund um den Arzt, Theologen und Organisten Albert Schweitzer, der Wegbereiter für die Wiederentdeckung des Wertes mechanischer Orgeln war. Die Orgel in Eggenburg sollte nun eine der ersten der neu gebauten mechanischen Orgeln in Ostösterreich werden. Dr. Heinrich Reinhart und Wolfgang Gamerith waren die Betreiber für den Neubau einer mechanischen Orgel in dem alten Gehäuse. Für diesen Neubau wurde Orgelbaumeister Arnulf Klebel ausgesucht, der vorher schon eine mechanische Orgel gebaut hatte. (Hausorgel von Dr. Eckert 1962)

Durch die Tätigkeit bei der Firma Metzler, eine der führenden Schweizer Orgelbauwerkstätten, hatte Arnulf Klebel die Technik der mechanischen Orgeln gelernt und sein Wissen über moderne Intonation vervollständigt. Die Firma Metzler war eine der Firmen, die den Wert der mechanischen Orgeln wiederentdeckt, die Vorteile der mechanischen Orgeltraktur erkannt und technisch weiter entwickelt hat. Die Eggenburger Orgel wurde als mechanische Orgel erbaut, aber nicht historisierend sondern technisch auf den neuesten Stand konzipiert. Es wurde nicht eine alte Orgel nachgebaut, sondern wirklich ein neues Werk geschaffen.

Eine Eigenheit der Eggenburger Orgel ist der Zimbelstern. Weil ein Registerzug noch frei war, wurde eine Besonderheit barocker Orgeln aufgegriffen, die vor allem in Dänemark und Norddeutschland noch erhalten sind und zu Weihnachten oder bei Taufen gespielt wird. Durch die hohen Glöckchen entsteht ein zusätzlicher, anderer Klangeindruck, der durch Orgelpfeifen nicht erreicht werden kann.

Bei der Konzeption der Orgel war es Arnulf Klebel ein besonderes Anliegen, auf die Eigenheiten des Raumes einzugehen und die Pfeifen nach der Mensur und dem Raum sprechen zu lassen. Dabei hat er auf die Besonderheiten des Kirchenraumes mit seinen speziellen akustischen Eigenschaften geachtet und die Mensuren der Pfeifen seinen Klangvorstellungen entsprechend abgestimmt.

Eines seiner Anliegen war es, den typisch österreichischen Orgelklang aufzugreifen und weiter zu entwickeln. Ganz wichtig war es dem Orgelbauer, dass der durch das alte Gehäuse vorgegebene beengte Platz optimal ausgenützt wurde und das Werk so möglichst vielen Anforderungen gerecht werden konnte, sowohl denen der Kirchenliturgie als auch der vielfältigen Orgelliteratur.

Orgelbaumeister Klebel entwickelte auch ein besonderes System der Windversorgung mit Druckregelung unter der Windlade. Die Methode der Windregelung unter der Windlade lernte er in der Schweiz kennen und hat sie weiterentwickelt. Durch ein federbelastetes Parallelogramm-System wird der Druck immer gleich gehalten und lässt auch ein Atmen der Orgel zu. Das ist eine spezielle Technik. Diese spezielle Methode beherrschen nur sehr wenige Orgelbauer.

Die Mensur der Pfeifen und das Pfeifenmaterial wurden von Klebel nach seinen eigenen Klangvorstellungen ausgewählt. Es wurde kernsticharm intoniert. Die Orgel eignet sich für jede Musik. Aufgrund des sehr durchsichtigen Klanges eignet sich die Orgel besonders für polyphone Musik jeglicher Epoche, da so jede Stimme ihren eigenen Klangwert bekommt. In den Pfeifenstöcken gibt es kaum Verführungen. Klebel hat sich bemüht, dass die Pfeifen möglichst direkt über ihrer Bohrung in der Schleifwindlade stehen, wodurch eine besonders innige Verschmelzung des Klanges erreicht wird und ein polyphoner Klangeindruck entstehen kann. Bemerkenswert ist, dass an dieser Orgel jedes Register mit jedem gut zusammenklingt, was nicht bei allen Orgeln so ist.

Dr. Luitgard Derschmidt, Ebenau, Mai 2014
 

    

    

 
 
   
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